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Bericht über unseren ersten Besuch bei Hans
An einem Wochenende im vergangenen Oktober besuchten Anne und ich zum ersten Mal die "Tierheimat Arche Noah", die etwa eine Autostunde nördlich von Hamburg bei Heide in Holstein liegt. Daß es diesen Tierhof überhaupt gibt, haben wir in einem Artikel der Tierrechtszeitschrift "Voice" gelesen. Und so standen wir also vor dem Gelände, nachdem wir uns telephonisch angemeldet hatten; Hans hatte einen weißen Plastikstuhl an die Straße gestellt, damit wir ihn schnell finden.
Als erstes begrüßten uns Katzen - eine sprang Anne gleich auf die Schulter und wich nachher nicht von ihrer Seite. Und dann stand Hans am Zaun und hieß uns willkommen: Der Funke sprang sofort über! Wir sprachen miteinander, als seien wir alte Bekannte; d. h., Hans sprach meist, und wir hörten zu, denn wir wollten uns ja ein Bild von seiner Arbeit machen. Es sprudelte nur so aus ihm heraus - vielleicht war es für uns drei so schön (und selten), endlich einmal mit Gleichgesinnten zu reden.
Vieles von dem, was Hans uns erzählte, war sehr traurig. Angefangen natürlich mit dem Tod seiner Ingeborg, der Mitbegründerin und Seele des Hofes, über Schwierigkeiten der Finanzierung bis hin zu großen Enttäuschungen, die ihm "Tierfreunde" bereitet haben. Während er erzählte, zeigte er uns die Ställe und Koppeln, die bei dem herrschenden Sonnenschein idyllisch aussahen und es auch sind - ein wunderbares Gelände für die Schafe und Pferde, die da gemeinsam grasten.
Aber den Gebäuden sah man es äußerlich schon an, daß das Geld für andere Dinge (nämlich die Grundversorgung der Tiere) verwendet werden muß und knapp ist. Innen sah es gleich wieder besser aus, denn das ist ja der Lebensbereich der Tiere besonders in den Wintermonaten, die nun schon wieder hinter uns liegen.
Wen haben wir nicht alles kennengelernt: Rudi und Berta, zwei dickbäuchige Schweine, die wahre Meister im Umpflügen ihrer Weide sind; Noughat und Marzipan, zwei "normale" Schweine, die neugierig zu uns herübersahen; Gänse und Enten, die einen eigenen vom Grundwasser gespeisten Teich haben; Ziegen und Kühe (Julchen ist einfach goldig - Hans berichtete, daß einmal eine Kieler Schulklasse ihren Kraulbedarf ausgiebig gedeckt hat). Eine Gans, selbst noch eine "Jugendliche", hat die Mutterrolle für fremde Küken übernommen und nimmt sie unter ihre Fittiche. Hühner gibt es natürlich auch jede Menge - im Artikel werden die Tiere ja aufgezählt. Sissi, das herrlichste aller Schafe, muß noch erwähnt werden: Sie fühlt sich offenbar im Pferdestall zuhause und läßt sich häufig dort inmitten ihrer Freunde nieder. Über die www-Adresse (s. o.) kann man sich ein noch genaueres Bild machen. Hans hat eine große Auswahl an Photos zusammengestellt - vor dem Unglück, das ihn im Sommer traf. Jetzt hat er zu einer Aktualisierung kaum noch Zeit, denn er hat nur eine einzige Helferin, eine Tierfreundin aus Kiel, die ihn über ihre Kräfte unterstützt. Er versucht, als Einzelkämpfer seinen Hof über die Runden zu bringen. Gar nicht auszudenken, sich vorzustellen, was passieren würde, wenn ihm irgend etwas zustieße. Er arbeitet ständig am Rand seiner Kräfte. Dabei hat er seinen Humor keineswegs verloren; trotzdem waren Anzeichen von Resignation nicht zu übersehen, denn das Ringen um die finanziellen Mittel zur Sicherung der Tierheimat ist mühselig und voller Rückschläge.
Inzwischen sind wir zu recht regelmäßigen Besuchern der Arche geworden und haben schon sehr viel über Tierversorgung gelernt. Es reicht nicht, den Tieren ein bißchen Futter vorzustreuen oder ihnen fröhliches Grasen auf der Koppel zu wünschen – um ihnen gerecht zu werden und um auf ihre Bedürfnisse einzugehen, sind umfassende Kenntnisse nötig. Wir bewundern Hans für seine Fähigkeit, aus den kleinsten Veränderungen im Verhalten seiner Schutzbefohlenen herauszulesen, wo etwas nicht stimmt. Diese Sensibilität hat ihn schon so manche Nachtruhe gekostet ...Wir wünschen Hans sehr, daß sich so viele Spender und Helfer finden, die den Unter-halt des Hofes auf eine solide Grundlage stellen, damit er endlich das in Ruhe durchführen kann, was ihm am meisten am Herzen liegt: den alten und häufig nicht erwünschten Tieren schöne Jahre zu geben.
Anne + Rüdiger Hamburg
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